bookmark_borderUnser Aufruf zum feministischen Kampftag 2024

Anlässlich des internationalen feministischen Kampftags am 8. März rufen wir zu einem Aktionstag mit Infoständen und Musik um 16 Uhr und einer Demonstration um 18 Uhr an der Porta Nigra auf.

Seit Jahren kippt das gesellschaftliche Klima überall auf der Welt immer weiter nach rechts. Bundesweit zeigt sich das an den Ergebnissen der Correctiv-Recherche über den Zusammenschluss von Werteunion, AfD und Identitärer Bewegung. In Trier erleben wir das Erstarken der rechtsextremen Bewegungen Revolte Rheinland und Team Freiheit Trier. All dies sind Symptome eines rechtsoffenen Klimas, in dem diese Säuberungsfantasien wachsen und gedeihen können. Dabei zeigt sich: Antifeminismus ist der kleinste gemeinsame Nenner aller Reaktionären. Das erzeugt eine bedrohliche Lage für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, transidente und agender Menschen (FLINTA*), denen überall ihre mühsam erkämpften Rechte streitig gemacht werden. Das wird an zahllosen Beispielen deutlich: In den USA wurde 2022 das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche ausgehebelt. In Europa werden die im letzten Jahrhundert bitter erkämpften Menschenrechte auf EU-Ebene mit Füßen getreten und die Ergebnisse nationaler Abschottungspolitik zeigen ihr hässliches Gesicht. Mit dem Gemeinsamen Europäischen Asylsystem (GEAS) wird das Asylrecht bedroht, das aus den Lehren der NS-Zeit entstand. Es fuckt ab, dass Abschiebung für viele ein Grund geworden ist, eine Partei zu wählen. Dadurch wird offensichtlich, dass struktureller Rassismus genauso tief in unserem System verwurzelt ist, wie struktureller Sexismus. Das Vorhaben eines gemeinsamen europäischen Strafrechts bei sexualisierter Gewalt wurde von der FDP blockiert. Auch das Ersetzen des überholten Transsexuellengesetzes mit dem Selbstbestimmungsgesetz, welches sich Grüne und FDP auf die Fahnen geschrieben hatten, ist nach über zwei Jahren immer noch ein leeres Versprechen. Danke für nichts! Während die regierenden Parteien Fortschritte verzögern oder regelrecht blockieren, steigen die Angriffe aus dem rechten Lager gegen queere Existenz: Die Jungen Alternativen rufen zum homophoben und transphoben „Stolzmonat“ auf, Christfundamentalist:innen organisieren „Märsche für das Leben“ gegen die körperliche Selbstbestimmung von FLINTA*. Da sind sich dann auch die „Brandmauerparteien“ wie CDU/CSU nicht zu Schade mit regelrechten Faschos zu marschieren.
Auch im internationalen Kontext zeigt sich, Feminist:innen müssen gegen rechts-konservative Kräfte zusammenhalten und für Versorgung und Schutz sorgen, sowie den Kampf um Selbstbestimmung und Gleichberechtigung gemeinsam führen. Die Organisierung deutsch-polnischer Netzwerke, um in Polen lebenden FLINTA* trotz staatlichen Verbots Abtreibungen zu ermöglichen;
die chilenischen Flashmobs von Las Tesis „un violador en tu camino“ („ein Vergewaltiger auf deinem Weg“), die sich gegen strukturell gestützte sexualisierte Gewalt richteten und international viral gingen;
die „ni una menos“-Bewegung gegen Femizide in Latein-Amerika, ausgehend von Argentinien, inzwischen weltweit bekannt;
die Frauenrevolution in Rojava gegen den türkischen Faschismus und patriarchale Strukturen: all diese Beispiele zeigen, wie stark wir sind, wenn wir uns über nationale Grenzen hinweg zusammentun.
Feminismus muss antifaschistisch sein, wenn er für Geschlechtergerechtigkeit und gegen jegliche Unterdrückung kämpft. Antifaschismus braucht eine kritische Auseinandersetzung mit sexistischen Strukturen, wenn er nachhaltig wirksam sein und einen breiten und vielfältigen Rückhalt in der Gesellschaft haben will. Antifaschismus kann eben nicht nur Nazis boxen sein, sondern muss unter anderem auch Recherche, Care-Arbeit, und Schutz von Verfolgten sein. Du musst kein Macker sein, um Antifaschist:in zu sein.

Der historische Kampf gegen Nationalsozialismus und Faschismus hat gezeigt, dass in Zeiten rechten Erstarkens kein Verlass auf staatliche und parteiliche Institutionen ist. Parteifahnen und sonstige Parteisymbolik sind deshalb auf der Demo unerwünscht. Demokratie müssen wir selber schützen und selbst organisieren. Daher wollen wir uns dieses Jahr kämpferisch und solidarisch zeigen, statt nur an Regierung und Opposition zu appellieren, sich für uns einzusetzen.

Kommt mit uns auf die Straße und lasst uns gemeinsam eine kämpferische, feministische und antifaschistische Bewegung aufbauen! Wir sind viele und stellen uns zusammen dem Rechtsruck entgegen!
Gegen Macker und Faschisten – Fight the power, fight the system!

Alle Infos zur Veranstaltung findet ihr hier

bookmark_borderUnsere Rede bei der Kundgebung „Gemeinsam für Demokratie“

Diese Rede wurde von einem Mitglied der Feministischen Vernetzung auf der Kundgebung „Gemeinsam für Demokratie“ am 15.01.24 gehalten. Alle unsere Redebeiträge sind hier zu lesen.

Rechtes und faschistisches Gedankengut stellt nicht nur eine Gefahr für die Demokratie, sondern insbesondere auch für die Rechte und Leben von FLINTA, also Frauen, Lesben, intergeschlechtlichen, nichtbinären, trans* und agender Personen, dar. Seien es Angriffe auf die körperliche Selbstbestimmung durch Forderungen nach einer weiteren Einschränkung von Schwangerschaftsabbrüchen, die Hetze gegen eine angebliche „Gender-Ideologie“ oder die Angriffe auf trans Personen und alle, die nicht in ihr traditionalistisches Verständnis von „Mann“ und „Frau“ passen. Der Antifeminismus ist ebenso Bestandteil des Faschismus wie Rassismus und Nationalismus. Und ebenso wie Rassismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit enden Antifeminismus und Misogynie nicht bei bloßen Forderungen und Hassreden. Sie zeigen sich in Übergriffen, Gewalt gegen FLINTAs und queere Personen und immer wieder auch in Femiziden als extremster und dennoch alltäglicher Form geschlechtsbezogener Gewalt.

In Trier liegt eine Gefahr darin, dass alle Krankenhäuser in katholischer Trägerschaft sind. Sexuelle Selbstbestimmung wird einem sehr schwer gemacht, wenn es keinen Zugang zu medizinischer Grundversorgung wie Schwangerschaftsabbrüchen gibt. Und die AfD Trier bemüht sich, dass das so bleibt.

Daneben erscheint es dann erstmal viel trivialer, dass auf Litfaßsäulen in Trier „seid keusch“, oder auf feministische Poster in der Uni „Emanzen“ geschmiert wird. Dann aber schreibt jemand in eine Uni-Toilette eine Aufforderung zum Mord an Sex-Arbeiter:innen, zusammen mit dem N-Wort, und so kleine sexistische Schmierereien oder Bemerkungen wiegen plötzlich sehr viel mehr. Denn solchen Worten folgen auch Handlungen. Gewaltbereitschaft aus dem rechten Lager ist da, auch hier in Trier. Das konnten wir im Sommer an Übergriffen sehen.

In Trier sind alte und neue Nazis aktiv: die rechtsextreme Revolte Rheinland, ein Ableger der Identitären Bewegung, lässt immer öfter von sich sprechen. So haben sie beispielweise im letzten Pride Month den „Stolzmonat“ ausgerufen, waren unter dem Slogan „Heimatliebe heißt Umweltschutz“ beim Mosel-Clean-Up dabei und plakatieren seit einigen Wochen rassistische Abschiebepropaganda. Wie die neuesten Enthüllungen nicht wirklich überraschend zeigen, hat die AfD keine Berührungsängste mit der Identitären Bewegung, sondern im Gegenteil die reale Chance, den gemeinsamen Fantasien einer Säuberungspolitik Taten folgen zu lassen. 

Der Rechtsruck, den wir seit Jahren beobachten, zeigt sich nicht nur im Erstarken der AfD, sondern leider auch in der Rhetorik und Gesetzgebung der übrigen Parteien.

Die regierenden Parteien hatten mittlerweile über zwei Jahre Zeit, ihr Wahlversprechen einzulösen und das Transsexuellengesetz, welches als menschenrechtswidrig gilt, mit dem Selbstbestimmungsgesetz abzulösen. Doch trotz Queerbeauftragtem, Regenbogenflaggen und anderen Lippenbekenntnissen passiert es einfach nicht. Während die AfD und andere Reaktionäre Hassrhetorik gegen die queere Community schüren, handeln die regierenden, vermeintlich progressiven Parteien, genau im selben Sinne. Für trans und nichtbinäre Menschen in Deutschland heißt das: ausharren, abwarten. Warten, bis unsere Menschenwürde endlich auf der Tagesordnung steht. 

Ebenso redet SPD-Kanzler Scholz davon, „endlich im großem Stil abzuschieben“. Und auch auf europäischer Ebene sind seit Jahren Verschärfungen zu beobachten: Seenotrettung wird weiter kriminalisiert, und die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) bedeutet eine faktische Abschaffung des individuellen Rechts auf Asyl. All das geschieht unter einer Regierungskoalition aus SPD, Grünen und FDP. Parteien, die vermeintlich progressive Positionen vertreten und immer wieder vor besagtem „Rechtsruck“ warnen, dessen Teil sie längst sind. Wie stark die Bauchschmerzen sind, die SPD- und Grünen-Politiker*innen bei einer Verschärfung des Asylrechts und einem weiteren Ausbau der Festung Europa verspüren mögen, ob diese Maßnahmen mit „Bedauern“ oder Begeisterung verabschiedet werden, ist den Zehntausenden an den EU-Außengrenzen ertrunkenen Geflüchteten wohl herzlich egal. Wenn also AfD und Konsorten auf einem geheimen Treffen die Vertreibung von Millionen Menschen aus Deutschland planen, tun sie dies nicht in einem luftleeren Raum, sondern in einem politischen Klima, das seit Jahren nur Abschottung, Festungsbau und immer weitere Verschärfungen des Grundrechts auf Asyl, immer mehr, schnellere, einfachere Abschiebungen zu kennen scheint.

Das müssen wir scharf kritisieren. Dass diese linken und gemäßigten Parteien rechte Positionen einnehmen, gewinnt keine Wähler:innen zurück und verhindert nicht den Zuwachs bei der AfD – die Menschen, die eine solche Politik unterstützen, wählen lieber das Original als die Kopie – und stattdessen werden linke und gemäßigte Wähler:innen im Stich gelassen und die Parteien verlieren ihre Glaubwürdigkeit.

Aber was machen wir damit? Es fühlt sich in letzter Zeit oft hoffnungslos an. Nicht nur mit dem Blick auf die Welt, auf die EU oder Deutschland, sondern auch direkt hier in Trier. Ich weiß nicht was ich tun kann, außer immer weiter genau hier zu sein, und mit meiner feministischen Arbeit weiterzumachen. Das gleiche gilt für euch und eure politische und aktivistische Arbeit auch. Und auch, dass wir zusammenarbeiten und vernetzt sind. Ich bin dankbar, heute hier dabei zu sein, und dass ihr alle auch dabei seid und ein Zeichen gegen Rechts setzt.

bookmark_borderNewsletter-Input Januar: Was bedeutet eigentlich „Männlichkeit“?

Dieser Text ist als Theorie-Input in unserem Januar-Newsletter erschienen. Alle vergangenen Inputs sind hier zu lesen.

Was bedeutet eigentlich „Männlichkeit“?

Dass Gender bzw. Geschlecht nicht angeboren und von der Natur gegeben ist, ist in der Geschlechterforschung einstimmig akzeptierte Tatsache. Simone de Beauvoir hat bereits 1949 in „Das andere Geschlecht“ aufgezeigt, wie Geschlecht durch Kultur und Gesellschaft gemacht wird. Sie beschäftigte sich jedoch vorrangig mit Weiblichkeit.

Gerade bei Männlichkeit lässt sich sehr schnell erkennen, wie „gemacht“ sie ist.

Hier kommt Raewyn Connell ins Spiel.

Wer ist Raewyn Connell?

Raewyn Connell ist eine australische Soziologin und hat eine der einflussreichsten Theorien in der Männerforschung geliefert: 

das Konzept der „hegemonialen Männlichkeit“. 

Mit ihrem Artikel Towards a New Sociology of Masculinity (zu Deutsch: Hin zu einer neuen Soziologie von Männlichkeit) von 1985, den sie mit Tim Carrigan und John Lee verfasste, hat sie den Grundbaustein für dieses Konzept gelegt. Zehn Jahre später in 1995 veröffentlichte sie ihr alleiniges Werk Masculinities (zu Deutsch: Der gemachte Mann), in dem sie die Theorie weiterentwickelte. 

Da Connell trans ist, lassen sich ihre älteren Publikationen noch unter dem Namen Rob(ert) William Connell finden, bzw. unter den genderneutralen Initialen R.W. Connell.

Konstruktion der Geschlechter:

Erklärt und gerechtfertigt wird die männliche Dominanz in der Gesellschaft durch biologische Unterschiede und die vermeintlich „natürliche Ordnung“, das heißt durch die Natur. Es sind Modelle entstanden, die den Geschlechtern bestimmte Eigenschaften zuordnen. Frauen gelten von Natur aus als liebevoll, „mütterlich“, emotional erreichbar, weshalb sie „wie gemacht“ für reproduktive Arbeiten sind. Während Männern Durchsetzungsfähigkeit, Unbeständigkeit und Aktionismus zugeschrieben wird, was vermeintlich rechtfertigt, dass Männer die soziale und kulturelle Kontrolle innehaben. Sie machten sehr lange auch allein die Wissenschaften, die uns erklärten, was Natur und was Kultur sei.

Indem die Menschen glauben, dass diese Geschlechterunterschiede von Natur aus gegeben sind, werden sie nicht hinterfragt. 

Alles „Unnatürliche“ wird als Eingriff betrachtet und eventuell bestraft und korrigiert, nicht zuletzt um diese zerbrechliche Ordnung aufrechtzuerhalten. Da diese Ordnung so fragil ist, muss sie jederzeit gefestigt werden. Im Optimalfall werden immer und überall die Geschlechterkonstrukte und -differenzen aufgezeigt und vertieft, sodass kein Zweifel an der Natürlichkeit der Dinge entstehen kann. Das geht dann von „Frauen sind halt emotionaler“ zu gegenderten Shampoos – für Frauen eine pastelrosa Flasche mit Blumengeruch und für Männer eine schwarze Flasche mit Motoröl- und Tannengeruch. 

Aber genau durch dieses ständige Bemühen wird die Künstlichkeit der Geschlechterunterschiede erst recht deutlich.

Männlichkeit und Weiblichkeit sind Konzepte, die sich aufeinander beziehen. Erst im Verhältnis zueinander erhalten sie eine Bedeutung. Denn ohne Weiblichkeit als „Gegensatz“ gibt es auch keine Männlichkeit. 

Connells Theorie:

Connell bezieht in ihre Theorie die Machtverhältnisse ein, die Männer in der Gesellschaft über andere Geschlechter haben. Sie kritisiert das Modell der Geschlechterrollen, denn dieses beschreibt zwar Erwartungen an die Geschlechter, ignoriert aber eben die Machtverhältnisse. 

Überspitzt kommentiert Connell, dass wir ja auch nicht von „Klassenrollen“ oder „Rassenrollen“ reden, weil hier die Machtverhältnisse sichtbarer sind.

Um Männlichkeit zu verstehen, müssen also nicht nur Arbeitsteilung, also Rollen betrachtet werden, sondern auch Machtverhältnisse und Sexualität. In dem Kontext verstehen wir Hegemonie als Vorherrschaft.

Was ist Männlichkeit? 

Connell versucht Männlichkeit zu definieren. Sie sagt, dass wir die Aufmerksamkeit auf Prozesse und Beziehungen richten müssen, die Menschen ein vergeschlechtliches Leben führen lassen. Also die Frage danach, wie welche Verhaltensweisen und zwischenmenschlichen Beziehungen Menschen ihr Geschlecht „geben“.

Es geht neben der Macht über Frauen und andere Geschlechter auch darum, wie Männer Macht über andere Männer haben.

Connell unterscheidet vier Formen von Männlichkeit: die hegemoniale, komplizenhafte, untergeordnete und die marginalisierte Männlichkeit. Diese Formen bezeichnen Handlungsmuster, keine Charakterypen. Sie sind also veränderlich je nach Situation und Beziehungsgefüge.

Hegemoniale Männlichkeit bezeichnet die vorherrschende Art von Männlichkeit. Es ist also eine Art von Männlichkeit, die auf Dominanz und Hierarchie basiert, denn ihr sind andere Formen von Männlichkeit sowie Weiblichkeit untergeordnet. 

Hegemoniale Männlichkeit ist kein starrer, über Zeit und Raum unveränderlicher Charakter. Es ist vielmehr jene Form von Männlichkeit, die in einer gegebenen Struktur der Geschlechterverhältnisse die herrschende Position einnimmt. Das heißt aber auch, dass es eine Position ist, die jederzeit in Frage gestellt werden kann, z.B. von Feminist:innen, anderen Geschlechtern oder anderen, untergeordneten Männern. Hegemoniale Männlichkeit ist also eine derzeitig akzeptierte Strategie zur Verteidigung des Patriarchats.

Aber was bedeutet das jetzt konkret? Im europäischen Raum definiert sich hegemoniale Männlichkeit stark über den vermeintlich männlichen Körper. Verhaltensweisen wie Aggressivität oder Rationalität werden mit Testosteron oder der rechten Gehirnhälfte erklärt. 

Starkes Konkurrenzdenken verlangt körperliche und mentale Stärke, Zurückhalten von Emotionen (außer Wut), und vor allem Potenz und Heterosexualität, und schafft so das „Muss“ einer Unterordnung der „Anderen“ und hält diese Hierarchie dann notfalls mit Gewalt aufrecht, körperlicher, psychischer oder anderen Formen.

Es sind also weniger Rollen wie „Karrieremann“ oder „guter Vater“, oder gar ein angeborener Charakter, als eben Verhaltensweisen, die in eine Hierarchie einordnen, die die „vorherrschende Männlichkeit“ bestimmen.

Die hegemoniale Männlichkeit hat auch die Fähigkeit, nicht-hegemonialen Männlichkeiten zu definieren. Sie selbst ist selbstverständlich, die untergeordneten sind „anders“. Im Fall von homosexueller Männlichkeit hatten heterosexuelle Männer Ende des 19. Jahrhunderts diese Abweichung mithilfe der Autorität von Wissenschaften wie Biologie und Psychologie als „pervers“ oder „krank“ verschrien.

Das stark hierarchische und konkurrenz-orientierte Denken der hegemonialen Männlichkeit ist eng mit dem Kapitalismus verbunden. Connell hat vorgeschlagen, die „transnationale Business-Männlichkeit“ als eine neue Form hegemonialer Männlichkeit zu sehen. Hier ist weniger körperliche Stärke und Aggression wichtig, als eben die mentale Stärke, Kalkül, und sozial aggressives und egozentrisches Verhalten.

Komplizenhafte Männlichkeit steht in enger Verbindung zur hegemonialen Männlichkeit; diese Männer erhalten die „patriarchalen Dividende“, aber setzen sich nicht den Risiken aus. Diese patriarchale Dividende bezeichnet den allgemeinen Vorteil, den Männer aus der Unterdrückung anderer Geschlechter erhalten.

Sie gehen mit Frauen Kompromisse im Alltag ein: Denn sie achten auf ihre Frauen und Mütter, sind nie gewalttätig gegenüber Frauen, übernehmen ihren Anteil an der Hausarbeit und kommen nur allzu leicht zum Schluss, dass Feministinnen BH-verbrennende Extremistinnen sein müssen.

Sie erkennen also oft nicht, wie die Unterordnung von Frauen stattfindet, stellen hegemoniale Männlichkeit nicht in Frage, und genießen Privilegien z.B. auf dem Arbeitsmarkt oder bei der Care-Arbeit. Sie halten Eigenschaften hegemonialer Männlichkeit für richtig und erstrebenswert, und fühlen, dass ihnen Privilegien selbstverständlich zustehen.

Untergeordnete Männlichkeiten sind die, die von der hegemonialen Männlichkeit abweichen, also z.B. nicht cis-hetero Männer, oder ganz einfach körperlich schwächere, nicht aggressive Männer. Wenn es eine vorherrschende oder dominante Art von Männlichkeit gibt, muss es auch dieser untergeordnete Arten geben.

Als Beispiel: Dominanz heterosexueller und Unterordnung homosexueller Männer. Schwule erfahren politischen und kulturellen Ausschluss, staatliche Gewalt, oder wirtschaftliche Diskriminierung. Alle Abweichungen von der hegemonialen Männlichkeit werden mit Schwul-sein oder mit Weiblichkeit gleichgesetzt.

Marginalisierte Männlichkeit unterscheidet sich von untergeordneter Männlichkeit, denn sie beschreibt nicht wirklich Abweichungen von Verhaltensweisen hegemonialer Männlichkeit, sondern eher die Machtverhältnisse von Männlichkeiten unterschiedlicher Gruppen. Also die Macht, die Männer der weißen Ober- und Mittelschicht über Männer der unteren sozioökonomischen Schichten oder Männer anderer Ethnizitäten haben. 

Hier sind also die Zusammenhänge von Geschlecht mit Klasse oder Ethnizität wichtig.

Schauen wir uns besonders Schwarze Männer an:

Obwohl einzelne Schwarze Männer Ruhm und Macht erreichen können, wirkt sich diese Macht nicht auf die anderen Schwarzen aus und verleiht den Schwarzen Männern im Allgemeinen kein größeres Maß an Autorität. 

Im Gegenteil: Sie können Merkmale hegemonialer Männlichkeit annehmen, wie Aggressivität und körperliche Stärke, und statt ihren Status zu erhöhen, macht es sie zu einer vermeintlichen Gefahr für weiße Menschen und daher Opfer von beispielsweise racial profiling.

Raewyn Connell hat mit ihrem Konzept der hegemonialen Männlichkeit eine einflussreiche Theorie verfasst, doch welche Form diese hegemoniale Männlichkeit annimmt, ist nicht in Stein gemeißelt. Wie wir gesehen haben, ist es schwer Männlichkeit zu definieren. So ist die Vorstellung was Männer nun ausmacht historisch geprägt und  besonders in der heutigen Zeit im Wandel, da Geschlechterverhältnisse in Frage gestellt werden.

Doch sicher ist, dass es notwendig ist, Männlichkeit auch immer auf Macht hin zu betrachten – politische wie auch kulturelle Macht.

Ein Text von Umen und edi.

bookmark_borderRückblick zum Tag gegen Patriarchale Gewalt 2021

Anlässlich des internationalen Aktionstages gegen patriarchale Gewalt fanden in Trier mehrere Veranstaltungen der Feministischen Vernetzung Trier und der Lila Rebellion statt.
In Vorbereitung auf die Nachtdemonstration am 25.11. haben Mitglieder der feministischen Vernetzung bereits am Vorabend Fakten zu patriarchaler Gewalt mit Kreide auf der Demoroute angebracht. Außerdem wurden Banner und laminierte Infoschilder in der Stadt verteilt. 
Zum Aktionstag selbst standen wir, in Kooperation mit Mother Hood e.V. und der Plattform Trier, mit einem Infostand in der Brotstraße und stellten Infomaterial zum Thema (patriarchaler) Gewalt, Flyer von Hilfestellen und weiteren Lesestoff bereit. Einige Vernetzungsmitglieder trugen in diesem Rahmen Betroffenenberichte von patriarchaler Gewalt vor, die in Vorbereitung auf die Veranstaltung zusammengetragen wurden.

„Rückblick zum Tag gegen Patriarchale Gewalt 2021“ weiterlesen

bookmark_borderOffener Stammtisch am 23.07.2021

Am Freitag, den 23.07. findet wieder unser monatlicher feministischer Stammtisch statt.
Wir treffen uns um 19 Uhr im Palastgarten neben dem Queergarten und lassen uns dort, wie beim letzten Mal, auf Picknickdecken nieder.
Dieses Mal möchten wir den Stammtisch mit einer moderierten Diskussionsrunde beginnen, in der wir uns über die Entwicklung der Vernetzung und unsere Vorstellungen von feministischer Arbeit austauschen. Fragen, die wir uns stellen, könnten zum Beispiel sein: Auf welche Projekte hättest du in Zukunft Lust? Welche thematischen Schwerpunkte sind dir wichtig? Wie würdest du dich gerne einbringen?
Natürlich wird es wie immer auch Zeit für lockeren Austausch geben.
Menschen aller Gender sind herzlich willkommen. Wir freuen uns auf euch!