bookmark_borderUnsere Rede bei der Demo „Nie Wieder Ist Jetzt“

Diese Rede wurde von einem Mitglied der Feministischen Vernetzung auf der Demo „Nie wieder ist jetzt“ am 28.01.24 gehalten. Alle unsere Redebeiträge sind hier zu lesen.

Ich bin in letzter Zeit so hoffnungslos. Der Rechtsruck scheint nicht aufzuhalten. Was können wir tun?

Gegen Rechts wählen gehen, heißt es oft. Aber die regierenden Parteien bewegen sich in ihren Worten und Taten auch immer weiter nach rechts, weil sie dem Klima im Land folgen. Die menschenverachtende Asylpolitik der Ampel ist der Beweis dafür. Einfach nur für „die Richtigen“ den Stimmzettel abzugeben, reicht also nicht aus.

Was sonst? Politik von unten machen vielleicht! Wir gehen auf Demos, Kundgebungen, organisieren uns in linken Gruppen… Aber auch das reicht nicht aus. Damit erreichen wir viele Menschen nicht.

Dann reden wir halt mit den Rechten! Wenn jede ihren AfD-wählenden Nachbar bekehrt, dann sind irgendwann alle links! Das hab ich auch schon versucht. Ich hab total viel Energie aufgewendet und mir menschenverachtenden Scheiss anhören müssen, und am Ende hab ich meine rechte Bekanntschaft höchstens in ein paar ganz kleinen Punkten überzeugen können.

Dann müssen wir eben die Kultur beeinflussen. Damit erreichen wir viele Menschen auf einmal. Texte schreiben, Lieder, Filme, Social Media, Youtube, Tiktok, in jede Sphäre der Kultur bringen wir freiheitliche Werte rein. Eine schöne Vorstellung, aber das geht nur, wenn wir auch innere Arbeit gegen unsere eigenen Rassismen und Sexismen machen. Sonst reproduzieren unsere Inhalte nur die herrschende Ordnung.

Innere Arbeit ist wichtig. Sie ist beschwerlich. Sie reicht aber nicht aus, denn währenddessen geht es da draußen weiter. Jeden Tag gewinnt die AfD an Zulauf. Jeden Tag erleben Frauen und Queers Übergriffe und Gewalt. Jeden Tag ertrinken Menschen an den Grenzen, werden abgeschoben, werden eingesperrt und gefoltert.

Da möchte mensch glauben, das einzige was hilft, ist Zivilcourage und direkte Aktion. Eingreifen bei Stammtischparolen. Eingreifen, wenn wir sehen wie Polizist:innen rassistisch handeln. Blockaden bei Naziaufmärschen und bei Abschiebungen. Unsere Körper als Waffe einsetzen gegen die herrschenden Verhältnisse. Manchmal würde ich am liebsten alles hinter mich lassen, meinen Job und mein Leben hier aufgeben, und im Mittelmeer Seenotrettung machen. Oder Geflüchtetenhilfe in Lagern machen. Oder nach Rojava gehen, dort wo der Kampf für die befreite Gesellschaft konkret, mit den Waffen ausgefochten wird. Aber das ist auch nicht die eine Lösung, wenn alle linken Menschen wegziehen. Damit werden die strukturellen Probleme auch nicht ausgehebelt.

Wir müssen akzeptieren: es gibt nicht die eine große Lösung des Problems. Alle Herangehensweisen sind kleine Schritte in die richtige Richtung. Das wichtigste ist und bleibt: Solidarität, andere Herangehensweisen akzeptieren, zusammenhalten.

Für Feminismus. Für Antirassismus. Für Antifaschismus.

Im Italien der 20er Jahre, also vor hundert Jahren, hatten die antifaschistischen Kämpfer:innen einen Ruf, der heute wieder an der Tagesordnung ist:

Alerta! Alerta! Antifascista!
Alerta! Alerta! Antifascista!

bookmark_borderUnsere Rede bei der Kundgebung „Gemeinsam für Demokratie“

Diese Rede wurde von einem Mitglied der Feministischen Vernetzung auf der Kundgebung „Gemeinsam für Demokratie“ am 15.01.24 gehalten. Alle unsere Redebeiträge sind hier zu lesen.

Rechtes und faschistisches Gedankengut stellt nicht nur eine Gefahr für die Demokratie, sondern insbesondere auch für die Rechte und Leben von FLINTA, also Frauen, Lesben, intergeschlechtlichen, nichtbinären, trans* und agender Personen, dar. Seien es Angriffe auf die körperliche Selbstbestimmung durch Forderungen nach einer weiteren Einschränkung von Schwangerschaftsabbrüchen, die Hetze gegen eine angebliche „Gender-Ideologie“ oder die Angriffe auf trans Personen und alle, die nicht in ihr traditionalistisches Verständnis von „Mann“ und „Frau“ passen. Der Antifeminismus ist ebenso Bestandteil des Faschismus wie Rassismus und Nationalismus. Und ebenso wie Rassismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit enden Antifeminismus und Misogynie nicht bei bloßen Forderungen und Hassreden. Sie zeigen sich in Übergriffen, Gewalt gegen FLINTAs und queere Personen und immer wieder auch in Femiziden als extremster und dennoch alltäglicher Form geschlechtsbezogener Gewalt.

In Trier liegt eine Gefahr darin, dass alle Krankenhäuser in katholischer Trägerschaft sind. Sexuelle Selbstbestimmung wird einem sehr schwer gemacht, wenn es keinen Zugang zu medizinischer Grundversorgung wie Schwangerschaftsabbrüchen gibt. Und die AfD Trier bemüht sich, dass das so bleibt.

Daneben erscheint es dann erstmal viel trivialer, dass auf Litfaßsäulen in Trier „seid keusch“, oder auf feministische Poster in der Uni „Emanzen“ geschmiert wird. Dann aber schreibt jemand in eine Uni-Toilette eine Aufforderung zum Mord an Sex-Arbeiter:innen, zusammen mit dem N-Wort, und so kleine sexistische Schmierereien oder Bemerkungen wiegen plötzlich sehr viel mehr. Denn solchen Worten folgen auch Handlungen. Gewaltbereitschaft aus dem rechten Lager ist da, auch hier in Trier. Das konnten wir im Sommer an Übergriffen sehen.

In Trier sind alte und neue Nazis aktiv: die rechtsextreme Revolte Rheinland, ein Ableger der Identitären Bewegung, lässt immer öfter von sich sprechen. So haben sie beispielweise im letzten Pride Month den „Stolzmonat“ ausgerufen, waren unter dem Slogan „Heimatliebe heißt Umweltschutz“ beim Mosel-Clean-Up dabei und plakatieren seit einigen Wochen rassistische Abschiebepropaganda. Wie die neuesten Enthüllungen nicht wirklich überraschend zeigen, hat die AfD keine Berührungsängste mit der Identitären Bewegung, sondern im Gegenteil die reale Chance, den gemeinsamen Fantasien einer Säuberungspolitik Taten folgen zu lassen. 

Der Rechtsruck, den wir seit Jahren beobachten, zeigt sich nicht nur im Erstarken der AfD, sondern leider auch in der Rhetorik und Gesetzgebung der übrigen Parteien.

Die regierenden Parteien hatten mittlerweile über zwei Jahre Zeit, ihr Wahlversprechen einzulösen und das Transsexuellengesetz, welches als menschenrechtswidrig gilt, mit dem Selbstbestimmungsgesetz abzulösen. Doch trotz Queerbeauftragtem, Regenbogenflaggen und anderen Lippenbekenntnissen passiert es einfach nicht. Während die AfD und andere Reaktionäre Hassrhetorik gegen die queere Community schüren, handeln die regierenden, vermeintlich progressiven Parteien, genau im selben Sinne. Für trans und nichtbinäre Menschen in Deutschland heißt das: ausharren, abwarten. Warten, bis unsere Menschenwürde endlich auf der Tagesordnung steht. 

Ebenso redet SPD-Kanzler Scholz davon, „endlich im großem Stil abzuschieben“. Und auch auf europäischer Ebene sind seit Jahren Verschärfungen zu beobachten: Seenotrettung wird weiter kriminalisiert, und die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) bedeutet eine faktische Abschaffung des individuellen Rechts auf Asyl. All das geschieht unter einer Regierungskoalition aus SPD, Grünen und FDP. Parteien, die vermeintlich progressive Positionen vertreten und immer wieder vor besagtem „Rechtsruck“ warnen, dessen Teil sie längst sind. Wie stark die Bauchschmerzen sind, die SPD- und Grünen-Politiker*innen bei einer Verschärfung des Asylrechts und einem weiteren Ausbau der Festung Europa verspüren mögen, ob diese Maßnahmen mit „Bedauern“ oder Begeisterung verabschiedet werden, ist den Zehntausenden an den EU-Außengrenzen ertrunkenen Geflüchteten wohl herzlich egal. Wenn also AfD und Konsorten auf einem geheimen Treffen die Vertreibung von Millionen Menschen aus Deutschland planen, tun sie dies nicht in einem luftleeren Raum, sondern in einem politischen Klima, das seit Jahren nur Abschottung, Festungsbau und immer weitere Verschärfungen des Grundrechts auf Asyl, immer mehr, schnellere, einfachere Abschiebungen zu kennen scheint.

Das müssen wir scharf kritisieren. Dass diese linken und gemäßigten Parteien rechte Positionen einnehmen, gewinnt keine Wähler:innen zurück und verhindert nicht den Zuwachs bei der AfD – die Menschen, die eine solche Politik unterstützen, wählen lieber das Original als die Kopie – und stattdessen werden linke und gemäßigte Wähler:innen im Stich gelassen und die Parteien verlieren ihre Glaubwürdigkeit.

Aber was machen wir damit? Es fühlt sich in letzter Zeit oft hoffnungslos an. Nicht nur mit dem Blick auf die Welt, auf die EU oder Deutschland, sondern auch direkt hier in Trier. Ich weiß nicht was ich tun kann, außer immer weiter genau hier zu sein, und mit meiner feministischen Arbeit weiterzumachen. Das gleiche gilt für euch und eure politische und aktivistische Arbeit auch. Und auch, dass wir zusammenarbeiten und vernetzt sind. Ich bin dankbar, heute hier dabei zu sein, und dass ihr alle auch dabei seid und ein Zeichen gegen Rechts setzt.

bookmark_borderStatement zur feministischen Revolution im Iran

Seit dem 16. September 2022, dem Tag an dem Jhina Mahsa Amini, eine junge kurdische Iranerin, von dem brutalen Regime ermordet wurde, sind zwei Monate vergangen.
Seit diesem Tag haben mutige Menschen im Iran die Revolution für die Freiheit eben dieser begonnen.

Auf der Straße tanzen und singen Menschen, sie schaffen Kunst und schreiben Lieder, lachen, küssen sich, kleiden sich frei und protestieren für die Freiheit. Und dafür bezahlen all diese Musiker:innen, Künstler:innen, Schüler:innen und Studierenden, Sportler:innen, Journalist:innen, Freiheitsliebenden, mit ihrem Leben. Seit September wurden unzählige Menschen von Revolutionsgarden und Moralpolizei ermordet, verletzt und vergewaltigt und eben auch 15.000 Menschen festgenommen.

Diese 15.000 festgenommenen Menschen sind unter schrecklichen Bedingungen in den Gefängnissen des iranischen Regimes und werden dort vergewaltigt und gefoltert. Diese 15.000 mutigen, leidenden Menschen sind mehrheitlich Jugendliche, die die Unterdrückung dieser menschenverachtenden Machthaber nicht länger ertragen wollen.

Die junge Generation. Dass sie als Frauen* tanzen, singen, selbstbestimmt entscheiden, sich kleiden und lieben wollen haben jetzt alle gehört und hoffentlich verstanden. Es ist eben die Generation, die, der auch meine Cousinen im Iran angehören, die von diesem Regime nie etwas bekommen hat und seit der Kindheit in dieser sich täglich verschlimmernden Lebensrealität leben. Das ist der Grund, weshalb sie die Zukunft des Irans sind, weil sie nichts zu verlieren haben und bereit sind alles für eine feministische Zukunft des Irans zu geben.
Dass die Konsequenzen des Protestierens extrem sind, dessen ist sich jeder kämpfende Mensch bewusst.

Und nun soll wieder etwas unglaublich Schreckliches passieren: Die Herrschenden im Iran haben entschieden, dass die Todesstrafe gegen Demonstrierende eingesetzt wird. Das bedeutet, dass 15.000 nach Freiheit dürstende Menschen brutal ermordet werden sollen. Junge Frauen* unter ihnen, werden vor der Exekution vergewaltigt, um nicht gegen das Verbot der „Exekution von Jungfrauen“ zu verstoßen und der widersprüchlichen Verfassung, die laut Klerikern nach islamischem Recht sogar nicht mehr tragbar ist, gerecht zu werden. Also werden 15.000 Menschen im Namen des Islams ermordet und so der Islam instrumentalisiert und missbraucht, um diese schrecklichen Taten zu begehen.

Als intersektional feministische, queere, deutsch-iranische Aktivistin kann ich nicht verstehen, wie dieses bevorstehende Massaker nicht die Aufmerksamkeit aller demokratischen Länder auf sich zieht. Was passieren wird, falls wir es wagen unsere Stimme nicht zu erheben oder gar den Menschen kein Gehör zu schenken, wird sein, dass das iranische Regime genau diesen Moment ausnutzen wird, um im Dunkeln, während eines vollständigen „Blackouts“ die Morde von 2019 zu wiederholen und dieses Mal nicht 2500, sondern 15.000 Menschen kaltblütig zu ermorden.

Seit Jahren begehen diese Unterdrücker menschenverachtende Verbrechen und es kann nicht sein, dass wir in einem solch historisch bedeutsamen Moment, unsere Aufmerksamkeit von diesen mutigen Menschen abwenden. Wir müssen über die Revolution sprechen, unsere Regierungen darauf aufmerksam machen den Forderungen der Menschenrechtsorganisationen betreffend sinnvoller Sanktionen, also welche, die die Finanzierung der Elite dieses Regimes unmöglich machen, nachzugehen.

Jhina Mahsa Amini, Nika Shakarimi und alle anderen, die diesem faschistischen Regime zum Opfer gefallen sind, sind von Opfern zu Symbolen geworden. Wir werden euch mit euren großen Herzen und Träumen nie vergessen und in eurem Namen dafür sorgen, dass dieses patriarchale und rassistische Regime aus den Angeln gehoben und verbrannt wird und damit euer Traum wahr wird.

Zan, zendegi, azadi.

برای خواهرانم

.شما خیلی قوی و شجاع هستید

در قلبم همیشه در کنارتان هستم

Darja S.

bookmark_borderGedenken an Mahsa Zhina Amini

Eine iranische Freundin hat uns folgenden Text zur Verfügung gestellt:

Mahsa (Zhina) Amini 

Am 26.10. war der 40. Tag seit Mahsa ( Zhina) starb in der Verwahrung der iranischen Moralität Polizei. Ein Mädchen aus der Stadt Saqqez, ein junges und unschuldiges Mädchen, einfach und sündenfrei, mit einem harmlosen Blick, dessen Unschuld die Herzen der Menschen macht Schmerzen, Mahsa Amini. sie ging nicht nach Teheran, um ein Symbol der Freiheit zu werden, sie besuchte nur ihre Bekannten und vielleicht Teheran, eine Stadt, deren Name herzerwärmend ist, Aber manchmal ist der Todesplatz seine/Ihre verliebte. 

Mit seinem Martyrium wurde sie zum Inbegriff von Freiheit und
Libertarismus. Sie wurde zum Codenamen iranischer Frauen für die
Freiheit auf der ganzen Welt. Sie brachte die Stimme der Freiheit des gesamten iranischen Volkes zu den Ohren der Welt. Sie verband die freiheitsliebenden Männer unseres Landes mit den Frauen, die die Rechte unseres Landes einfordern. 

Nach Mahsas Tod fragte niemand seine/Ihre Kameraden nach ihrer/ seiner Nationalität. Denn Mahsa, deren Name in der persischen Sprache Mond ähnelt, machte das Licht ihrer schönen Augen zu einem Licht für den Weg des Kampfes aller Kämpfer für die Freiheit des Mutterlandes jeder Rasse und Nationalität. 

Möge Ihr ehrenwerter Name und die Stimme Ihrer Freiheit gehört
werden.

Grüße und Beileid an Mahsa geliebte Familie des Kämpfers und alle
Menschen im Iran auf der ganzen Welt und alle Kämpfer aller
Nationalitäten.

  Mahsa, du wirst jetzt die internationale Hymne aller iranische
Frauen und freilebende Frauen auf der ganzen Welt und wirst nie
vergessen. 

Soheyla

bookmark_borderRedebeitrag zum safe abortion day 2022

Die Feministische Vernetzung setzt sich in Trier und Umgebung für intersektionalen Feminismus, gegen Sexismus und Patriarchat ein. Das bedeutet, dass das Recht auf körperliche Selbstbestimmung eines unserer wichtigsten Anliegen ist. Wir haben im Juli die AG Schwangerschaftsabbruch gegründet, die sich mit lokalen Akteur:innen vernetzt und sich dafür einsetzt, alle notwendigen Informationen zugänglich und in Trier Schwangerschaftsabbrüche möglich zu machen.

Denn unglaublicherweise sind sie das hier noch nicht. In dieser katholisch dominierten Stadt traut sich keine einzige gynäkologische Praxis, diesen einfachen medizinischen Eingriff anzubieten. Wer abtreiben will oder muss, muss nach Wittlich oder Saarbrücken fahren oder das eigene Leben bei einem unsicheren Abbruch, der nicht nach medizinischen Standards und mit ausreichender Nachsorge durchgeführt wird, riskieren. Eine klaffende und lebensgefährliche Versorgungslücke, die seit Jahrzehnten besteht und die hoffentlich bald geschlossen wird, wenn wir genug Druck ausüben!

Doch unsere Kämpfe können sich nicht nur auf die lokale Ebene beziehen. Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. So steht es im deutschen Gesetz, Paragraph 218 des Strafgesetzbuchs. Schwarz auf weiß: Abtreiben ist rechtswidrig. Die Schwangeren selbst und die durchführenden Ärzt:innen begehen eine Straftat. Diese Straftat bleibt heutzutage nur straffrei, wenn bestimmte Umstände gegeben sind, ein Beratungsgespräch durchgeführt wurde und die 12-Wochen-Grenze nicht überschritten ist.

Dieses rückständige Gesetz stammt aus dem Jahr 1871. Es ist also über 150 Jahre alt und stammt aus der Kaiserzeit. In 150 Jahren hat sich so viel getan, vom Frauenwahlrecht bis zum Nein-heißt-Nein-Gesetz… aber selbst über unsere Körper bestimmen dürfen wir immer noch nicht. Die Logik hinter dem Abtreibungsgesetz war von Anfang an, dass Frauen zu gebären haben, damit die deutsche Nation mehr Nachwuchs bekommt. Es handelt sich um einen Gebärzwang, bei dem die Bedürfnisse des Staates über die Freiheit und Gesundheit weiblich zugewiesener Körper gestellt werden. Aus demselben Grund fasste natürlich auch das NS-Regime extreme Maßnahmen gegen Abtreibung: Todesstrafe für abtreibende Ärzt:innen. Alles für die Erhaltung der „Lebenskraft des Volkskörpers“.

Doch die staatlich gewollte Erhaltung des „Volkskörpers“, die Produktion von Arbeitskraft und Kanonenfutter, ist nur eine Seite der patriarchalen Medaille. Die andere bildet die Kirche mit ihren unterdrückerischen Moralvorstellungen. Da sitzen unverheiratete alte Männer in langen Gewändern und wollen uns vorschreiben, was wir mit unseren Körpern tun und lassen sollen. Wenn diese Priester und Bischöfe sich so für den Schutz von Kindern interessieren, dann sollten sie vielleicht diejenigen schützen, die schon am Leben sind!

Diese zwei reaktionären Kräfte kommen in der modernen Lebensschutz-Bewegung zusammen. Diese stellt sich aus christlichen Fundamentalist:innen, dem rechten Rand der CDU, und der AfD zusammen. Sie verbreiten Lügen und emotional beladene Propaganda mit Bildern von „ermordeten Embryos“, terrorisieren auch gezielt ärztliche Praxen und Kliniken. Sie träumen von einer Rückkehr zur traditionellen Familie: ein Mann und eine Frau. Der Mann geht arbeiten, ist Beschützer und Bestimmer. Die Frau steht barfuß in der Küche. Die Hausfrau, von der sie träumen, würde niemals abtreiben wollen. Warum sollte sie? Außer Kinder machen und großziehen hat sie keinen Lebensinhalt. Doch Abtreibungsverbote haben noch nie Abtreibungen verhindert, sondern die Schwangerschaftsabbrüche nur unsicher und gefährlich gemacht!

Wir sagen: die Welt, von der die Abtreibungsgegner:innen träumen, ist traurig und einengend. In der wollen wir nicht leben. Wir träumen von einer Welt, in der Menschen ihr Leben frei gestalten können. Eine Welt, in der Kinder nur geboren werden, weil sie erwünscht und ersehnt wurden und nicht wegen irgendwelchen gesetzlichen oder moralischen Zwängen.

Wir fordern Abtreibungsmöglichkeiten in Trier! Wir wollen, dass Kliniken und Praxen in Trier sowohl den medikamentösen wie auch den instrumentellen Abbruch anbieten. Dass alle Schwangeren den Zugang haben, den sie brauchen, um ihre eigene Entscheidung zu treffen. Dass sie Unterstützung und Hilfeleistung bekommen, egal, welchen Weg sie wählen. Mehr als das: wir wollen nicht mehr von Gesetzen aus preußischen Gesetzbüchern regiert werden und noch weniger aus dem Alten Testament. Weg mit den Paragrafen 218 und 219 aus dem Strafgesetzbuch!

Wir lieben unsere Körper und so gehen wir mit ihnen um. Selbstbestimmt, aufgeklärt und lustvoll. My Body My Choice!

bookmark_borderRedebeitrag zu intersektionalem und queerem Feminismus

Hallo zusammen,

ich spreche heute für die feministische Vernetzung Trier und im Rahmen des pride month zu intersektionalem und Queerfeminismus.

In unserem Alltag begegnen wir immer noch gesellschaftlich anerkannten und akzeptierten Annahmen darüber, wie wir leben und lieben sollen. Die Vorstellung, es gäbe nur zwei Geschlechter und entweder ist mensch männlich oder weiblich, ist nach wie vor weit verbreitet und bleibt oftmals unhinterfragt. Ebenso die Vorstellung, romantische und sexuelle Beziehungen dürfen nur zwischen einer Person des einen und einer Person des anderen Geschlechts existieren und nicht zwischen mehreren Menschen oder zwischen Menschen mit „dem gleichen“ Geschlecht. Diese Vorstellungen werden oft mit biologischen oder religiösen „Argumenten“ verteidigt, die behaupten, es wäre alles in Stein gemeißelt und alles, was davon abweicht, sei unnatürlich oder moralisch falsch.
Diese Art zu denken lässt nur ein „entweder – oder“ zu und hindert Menschen daran, sich selbst zu orientieren. Sie hindert uns daran, die Fragen: „wie will eigentlich ICH leben und lieben?“, „womit fühle ich mich wohl, mit welchem Geschlecht identifiziere ich mich oder will ich mich vielleicht gar nicht festlegen?“ und „wie können ich und andere Menschen frei über unsere Identität, unsere Körper und unsere Beziehungen denken, sprechen und entscheiden?“ intuitiv und selbstbestimmt zu beantworten, statt nur mit vorgefertigten Antwortmöglichkeiten. „Redebeitrag zu intersektionalem und queerem Feminismus“ weiterlesen

bookmark_borderRede zur Klimademo am 26.02.

Hallo ihr
Ich spreche für die feministische Vernetzung Trier, eine Gruppe die im
Raum Trier ja wie der Name schon sagt feministische Arbeit leistet.
Feminismus? Vielleicht denkt sich der ein oder andere Mensch von euch:
Ja auch wichtig, aber warum hier auf der FFF Demo?
Ich behaupte dass Feminismus ein großes Thema der Klimagerechtigkeit
ist, wie auch anders herum.
Denn der Feminismus ist ein Kampf gegen die selben Macht-Strukturen,
die auch den Klimawandel hervorrufen! „Rede zur Klimademo am 26.02.“ weiterlesen