Unser Aufruf zum feministischen Kampftag 2024

Anlässlich des internationalen feministischen Kampftags am 8. März rufen wir zu einem Aktionstag mit Infoständen und Musik um 16 Uhr und einer Demonstration um 18 Uhr an der Porta Nigra auf.

Seit Jahren kippt das gesellschaftliche Klima überall auf der Welt immer weiter nach rechts. Bundesweit zeigt sich das an den Ergebnissen der Correctiv-Recherche über den Zusammenschluss von Werteunion, AfD und Identitärer Bewegung. In Trier erleben wir das Erstarken der rechtsextremen Bewegungen Revolte Rheinland und Team Freiheit Trier. All dies sind Symptome eines rechtsoffenen Klimas, in dem diese Säuberungsfantasien wachsen und gedeihen können. Dabei zeigt sich: Antifeminismus ist der kleinste gemeinsame Nenner aller Reaktionären. Das erzeugt eine bedrohliche Lage für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, transidente und agender Menschen (FLINTA*), denen überall ihre mühsam erkämpften Rechte streitig gemacht werden. Das wird an zahllosen Beispielen deutlich: In den USA wurde 2022 das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche ausgehebelt. In Europa werden die im letzten Jahrhundert bitter erkämpften Menschenrechte auf EU-Ebene mit Füßen getreten und die Ergebnisse nationaler Abschottungspolitik zeigen ihr hässliches Gesicht. Mit dem Gemeinsamen Europäischen Asylsystem (GEAS) wird das Asylrecht bedroht, das aus den Lehren der NS-Zeit entstand. Es fuckt ab, dass Abschiebung für viele ein Grund geworden ist, eine Partei zu wählen. Dadurch wird offensichtlich, dass struktureller Rassismus genauso tief in unserem System verwurzelt ist, wie struktureller Sexismus. Das Vorhaben eines gemeinsamen europäischen Strafrechts bei sexualisierter Gewalt wurde von der FDP blockiert. Auch das Ersetzen des überholten Transsexuellengesetzes mit dem Selbstbestimmungsgesetz, welches sich Grüne und FDP auf die Fahnen geschrieben hatten, ist nach über zwei Jahren immer noch ein leeres Versprechen. Danke für nichts! Während die regierenden Parteien Fortschritte verzögern oder regelrecht blockieren, steigen die Angriffe aus dem rechten Lager gegen queere Existenz: Die Jungen Alternativen rufen zum homophoben und transphoben „Stolzmonat“ auf, Christfundamentalist:innen organisieren „Märsche für das Leben“ gegen die körperliche Selbstbestimmung von FLINTA*. Da sind sich dann auch die „Brandmauerparteien“ wie CDU/CSU nicht zu Schade mit regelrechten Faschos zu marschieren.
Auch im internationalen Kontext zeigt sich, Feminist:innen müssen gegen rechts-konservative Kräfte zusammenhalten und für Versorgung und Schutz sorgen, sowie den Kampf um Selbstbestimmung und Gleichberechtigung gemeinsam führen. Die Organisierung deutsch-polnischer Netzwerke, um in Polen lebenden FLINTA* trotz staatlichen Verbots Abtreibungen zu ermöglichen;
die chilenischen Flashmobs von Las Tesis „un violador en tu camino“ („ein Vergewaltiger auf deinem Weg“), die sich gegen strukturell gestützte sexualisierte Gewalt richteten und international viral gingen;
die „ni una menos“-Bewegung gegen Femizide in Latein-Amerika, ausgehend von Argentinien, inzwischen weltweit bekannt;
die Frauenrevolution in Rojava gegen den türkischen Faschismus und patriarchale Strukturen: all diese Beispiele zeigen, wie stark wir sind, wenn wir uns über nationale Grenzen hinweg zusammentun.
Feminismus muss antifaschistisch sein, wenn er für Geschlechtergerechtigkeit und gegen jegliche Unterdrückung kämpft. Antifaschismus braucht eine kritische Auseinandersetzung mit sexistischen Strukturen, wenn er nachhaltig wirksam sein und einen breiten und vielfältigen Rückhalt in der Gesellschaft haben will. Antifaschismus kann eben nicht nur Nazis boxen sein, sondern muss unter anderem auch Recherche, Care-Arbeit, und Schutz von Verfolgten sein. Du musst kein Macker sein, um Antifaschist:in zu sein.

Der historische Kampf gegen Nationalsozialismus und Faschismus hat gezeigt, dass in Zeiten rechten Erstarkens kein Verlass auf staatliche und parteiliche Institutionen ist. Parteifahnen und sonstige Parteisymbolik sind deshalb auf der Demo unerwünscht. Demokratie müssen wir selber schützen und selbst organisieren. Daher wollen wir uns dieses Jahr kämpferisch und solidarisch zeigen, statt nur an Regierung und Opposition zu appellieren, sich für uns einzusetzen.

Kommt mit uns auf die Straße und lasst uns gemeinsam eine kämpferische, feministische und antifaschistische Bewegung aufbauen! Wir sind viele und stellen uns zusammen dem Rechtsruck entgegen!
Gegen Macker und Faschisten – Fight the power, fight the system!

Alle Infos zur Veranstaltung findet ihr hier