Bericht von unserem Reflektionstreffen

Letztes Wochenende haben sich die aktiven Mitglieder vom Orga-Plenum der Feministischen Vernetzung zum außerordentlichen Plenum getroffen. Bei Pizza und Gebäck haben wir uns lang und ausgiebig darüber ausgetauscht, wie es uns in der Vernetzung geht, was gut läuft und wo wir Verbesserungsbedarf sehen. Die Ergebnisse dieser Reflektion sind hier zusammengefasst.

Als aktive Mitglieder waren wir nur die vier Menschen, die regelmäßig an den zweiwöchentlichen Orga-Plena teilnehmen und dort auch Aufgaben übernehmen. Was uns eint, ist die Leidenschaft für feministischen Aktivismus. Für uns alle spielt die Feministische Vernetzung eine große Rolle in unseren Leben.

Bei all unseren Gemeinsamkeiten sind wir dennoch sehr unterschiedliche Menschen. Die eine Person findet Emails beantworten total stressig, für die andere ist das easy. Manche sind künstlerisch begabt, andere fühlen sich eher mit Technik wohl. Bei der Aufgabenverteilung haben wir versucht, diese Unterschiede zu berücksichtigen. In Zukunft wollen wir auch das „Rampenlicht“ gleichmäßiger verteilen: zur Zeit ist es noch so, dass oft dasselbe Mitglied die Feministische Vernetzung öffentlich vertreten muss.

Wir sind unterschiedlich gesellschaftlich positioniert: quer durch das FLINTA-Akronym sind viele Identitäten bei uns vertreten (und ein cis Mann ist auch dabei). Wir haben unterschiedliche Klassen- und Bildungshintergründe, sind verschieden able und neurodivers. Diese Diversität der Perspektiven ist ganz eindeutig eine Stärke. Leider gilt sie in einem anderen Bereich nicht: die Feministische Vernetzung ist zur Zeit sehr weiß geprägt. Für uns bedeutet das: wir müssen immer wieder unsere Privilegien und unsere eigenen Rassismen reflektieren, den Austausch mit PoC-Communities pflegen, PoC-Stimmen Reichweite geben, antirassistische Arbeit in den Fokus legen.

Eines steht fest: gemessen daran, wie klein unsere Gruppe ist, machen wir sehr viel – vielleicht zu viel. Oft sind Außenstehende erstaunt zu hören, dass wir im Orga-Plenum nur zu viert sind. Jede:r von uns muss mit den eigenen Kapazitäten haushalten, um sich nicht chronisch zu überarbeiten. Wir wünschen uns sehr, dass mehr Menschen zu uns finden und aktiv werden. Und damit kommen wir schon zum nächsten Punkt:

Wir schaffen es nicht, neue Aktive bei uns einzubinden. Dabei wünschen wir uns doch eine größere Gruppe. Und es gibt immer wieder Interessierte, die sich gerne bei uns einbringen wollen.

Wir haben gemeinsam darüber reflektiert, welche Mechanismen dazu führen, dass der Einstieg in unsere Arbeitsweise neuen Aktivist:innen schwerfällt. Uns sind ein paar Strategien eingefallen, um das in Zukunft besser zu schaffen: die Einbindung neuer Mitglieder an ihren jeweiligen Stärken und Schwächen anpassen. Ihnen niedrigschwellige, aber verbindliche Aufgaben zuteilen und viel Skillsharing betreiben. Offen sein für andere Herangehensweisen.

Am Ende des Treffens sind wir mit gutem Gefühl heimgegangen. Es ist schön, sich für einen solchen Prozess die Zeit zu nehmen. Durch Synergie sind viele neuen Ideen entstanden oder konkretisiert worden. Wir hoffen, dass die Folgen dieser internen Auseinandersetzung auch nach außen spürbar werden. Die Feministische Vernetzung ist viel mehr als die vier Aktiven, die regelmäßig zu den Orga-Plena kommen. Die Vernetzung, das sind auch die ganzen AG-Mitglieder die in „Save the Night“, in der AG „Abtreibung in Trier“, und der AG „Feministischer Austausch“ aktiv sind. Das sind alle Menschen, die mit uns demonstrieren kommen oder unsere Stammtische mitgestalten. Alle Menschen, die die Whatsapp-Gruppe mit Leben füllen oder unsere Posts auf Instagram teilen.

Wir hoffen, gemeinsam mit Euch noch lange an diesem großen und tollen Projekt mitzuwirken.