Aufruf Safe Abortion Day 2023 Trier

Am 28. September ist der bundesweite Tag für sichere Schwangerschaftsabbrüche, der „Safe Abortion Day“, und wir gehen auf die Straße! Warum ist dieser Tag so wichtig und was sind unsere Anliegen?

Sexualität gehört zum Leben dazu und die meisten Menschen mit Gebärmutter können schwanger werden – nicht immer wollen sie aber auch ein Kind gebären. 

Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben: Sie haben vielleicht schon Kinder und die Familienplanung ist eigentlich abgeschlossen. Sie wollen zwar später einmal Kinder, aber stecken noch mitten in der Ausbildung und wollen diese erst beenden. Oder sie wollen auch einfach keine Kinder haben. Also entscheiden sie sich selbstbestimmt gegen die Fortsetzung der Schwangerschaft, also für einen Schwangerschaftsabbruch. 

So weit, so klar- doch dann kommt die gesetzliche Regelung dazwischen und in vielen Fällen beginnt  eine Tortur!

Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland über den Paragraf 218 im Strafgesetzbuch geregelt. 

Das heißt, sie sind illegal und bleiben nur unter bestimmten Umständen straffrei – es gibt also aus Sicht des Gesetzes eine „Austragungspflicht“. 

Als ungewollt schwangere Person ist diese Regelung die Ursache für eine ganze Reihe von Hürden. Sie führt zu Stress und hoher Belastung. Denn, wenn eine ungewollt schwangere Person sich für einen Abbruch der Schwangerschaft entschieden hat, muss sie nach Paragraf 219 StGB eine sogenannte Schwangerschaftskonfliktberatung in Anspruch nehmen, die laut Strafgesetzbuch dem „Schutz des ungeborenen Lebens“ dient –  Schutz des Lebens der ungewollt  Schwangeren wird  nicht  benannt !  

Danach muss sie noch drei Tage warten, bevor sie die Schwangerschaft medikamentös oder instrumentell abbrechen lassen darf. 

Darüber hinaus gibt es nur sehr wenige gynäkologische Praxen oder Kliniken in Deutschland, die überhaupt Schwangerschaftsabbrüche durchführen. 

Einerseits gehören die Methoden des Schwangerschaftsabbruchs nicht standardmäßig zur medizinischen Grundausbildung und andererseits ist der Schwangerschaftsabbruch in Deutschland nicht Teil der medizinischen Grundversorgung. Gynäkolog*innen  sind nicht verpflichtet,  Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen.

Wenn sie sich doch dazu entscheiden, sich zu Schwangerschaftsabbrüchen fortzubilden und diese anzubieten, sind sie häufig Anfeindungen ausgesetzt.

Sowohl die Ärzt*innen als auch ihre Patient*innen werden der sogenannten „Gehsteigberatung“ von sogenannten „Lebensschützer*innen“, also Abtreibungsgegner*innen, ausgesetzt. Diese Abtreibungsgegner*innen bedrängen, belästigen und bedrohen sowohl die ungewollt Schwangeren als auch die Ärzt*innen –  aus ihrer Sicht, um Schwangerschaftsabbrüche zu verhindern. Allerdings verhindern diese Belästigungen nicht einen einzigen Schwangerschaftsabbruch. Zu einer Fortsetzung der Schwangerschaft kommt es dann, wenn sich die Schwangere aus eigener positiver Überzeugung, manchmal auch mit Hilfe der professionellen Beratung und Begleitung, für das Leben mit dem Kind entscheidet.

Den ungewollt Schwangeren werden also sowohl von Seiten der Gesetzgebung als auch von Seiten der Abtreibungsgegner*innen das Recht und die Fähigkeit abgesprochen, selbst über ihren Körper, ihre Sexualität und ihre Gesundheit  sowie ihre Lebens- und Familienplanung zu entscheiden. 

Die gesetzliche Regelung der Schwangerschaftsabbrüche ist entmündigend und führt in Kombination mit der gesellschaftlichen Stigmatisierung und der unzureichenden Versorgungslage nicht dazu, dass sich mehr Schwangere für ein Austragen der Schwangerschaft entscheiden, sondern im Gegenteil: Sie greifen in ihrer Verzweiflung zu unsicheren Methoden und gefährden damit ihr eigenes Leben.

Deswegen fordern wir:

1. Die Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen – Weg mit §§218,219 aus dem Strafgesetzbuch!

2. Die Anerkennung von Schwangerschaftsabbrüchen als Teil der medizinischen Grundversorgung!

3. Die Aufnahme der Methoden zum Schwangerschaftsabbruch in die medizinische Grundausbildung!

4. Ein flächendeckendes und wohnortnahes, medizinisches Angebot zum Schwangerschaftsabbruch – im Klartext: Schwangerschaftsabbrüche in Trier ermöglichen!

5.  Erhalt des Angebots einer ergebnisoffenen, lebensnahen und unterstützenden Beratung!

6. Sexuelle Bildung die selbstbestimmte Sexualität unter Achtung der Grenzen aller Beteiligten fördert!

Komm daher am 28.9.2023 um 18 Uhr mit uns auf die Straße!

Informiere dich an unserem Infostand auf dem Domfreihof über die Versorgungslage in der Region und erhebe deine Stimme für sichere Schwangerschaftsabbrüche in Trier und überall!

Feministische Vernetzung Trier, pro familia Trier, Schwangerschaftskonfliktberatung Diakonie Trier & die plattform Trier